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Geografia e Istorgia:  

Geschichte

 

MIGROS KLUBSCHULE SCHWEIZ

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Sprachgeographie

Romanisch
: Das traditionelle romanische Sprachgebiet besteht aus fünf Sprachregionen. Die Surselva umfasst den grossen nordwestlichen Sektor. In Mittelbünden wurde Romanisch einst im Domleschg und am Heizenberg und wird heute noch in Teilen des Schamsertals, im Oberhalbstein und im Albulatal gesprochen. Das Engadin und das Münstertal bilden das südöstliche romanische Sprachgebiet.

Italienisch: Die vier im Süden Graubündens gelegenen Täler Misox, Calanca, Bergell und Puschlav
sind italienischsprachig und kulturell eng mit dem Tessin bzw. mit Italien verbunden.

Deutsch: Das deutschsprachige Gebiet umfasst die von den Walsern besiedelten Hochtäler (Rheinwald, Vals, Safien, Avers, Schanfigg, Prättigau und Davos), die Enklave Obersaxen, das von Norden her germanisierte Churer Rheintal, den grössten Teil des Domleschgs sowie das vom Tirol her germanisierte Samnaun. Mehr und mehr wechseln auch Gemeinden des romanischen Sprachgebietes mehrheitlich zur deutschen Sprache.

Bis um 1850 war das Romanische noch die Mehrheitssprache Graubündens.
Die Zahlen von 1880, 1980, 1990 und 2000 zeigen eine stete Zunahme des Deutschen in absoluten und relativen Zahlen, eine unregelmässige Zunahme des Italienischen in absoluten Zahlen (wobei ab 1990 die Frage nach der bestbeherrschten Sprache anscheinend restriktiver als die vorherige nach der Muttersprache wirkt) und eine massive anteilsmässige Abnahme des Romanischen von 39,8% im Jahre 1880 auf 14,5% als bestbeherrschte Sprache im Jahre 2000.

Resultate der Volkszählungen 1880 – 2000 für den Kanton Graubünden
(in Klammern %-Zahlen):

 

1880

1980

1990

2000

 

MS

MS

BS

BS/GS

BS

BS/GS

Deutsch

43664 (46,0)

98 645 (59,9)

113 611 (65,3)

144 563 (83,1)

127 755 (68,3)

158 215 (84,6)

Romanisch

37794 (39,8)

36 017 (21,9)

29 679 (17,0)

41 092 (23,6)

27 038 (14,5)

40 257 (21,5)

Italienisch

12976 (13,7)

22 199 (13,5)

19 190 (11,0)

39 193 (22,5)

19 106 (10,2)

43 221 (23,1)

Andere

557 (0,6)

7 780 (4,7)

11 410 (6,6)

 

13 159 (7,0)

 

Total

94 991 (100)

164 641 (100)

173 890 (100)

 

187 058 (100)

 

1880 – 1980: MS = Muttersprache. 1990/2000: BS = bestbeherrschte Sprache; BS/GS = bestbeherrschte Sprache und/oder gesprochene Sprache in Familie, Schule und/oder Beruf.



Das romanische Sprachgebiet
Das Einzugsgebiet des Romanischen in Graubünden umfasst die Regionen am Vorderrhein (Surselva), Teilgebiete am Hinterrhein (Sutselva), das Oberhalbstein und das Albulatal (Surmeir), das Oberengadin sowie das Unterengadin und das Münstertal. Jede dieser Regionen besitzt ihr eigenes Idiom.
Die fünf Idiome gelten als romanische Schriftsprachen. Das gesamte Spektrum aller lokalen Mundarten können diese Schriftsprachen aber bei weitem nicht einfangen. Dutzende von Ortsdialekten machen die romanische Sprachlandschaft zu einem verwirrenden Mikrokosmos.

Seit 1982 existiert mit dem Rumantsch Grischun eine überregionale romanische Schriftsprache, welche 1996 zur offiziellen Verwaltungs- und Gerichtssprache des Bundes und des Kantons Graubünden erklärt wurde. Die Akzeptanz dieser überregionalen Schriftsprache in den verschiedenen Sprachgebieten ist allerdings sehr gering.

 

 


Geschichte


Ursprünglich war das heutige Verbreitungsgebiet des Romanischen von Kelten und, vermutlich nur ganz im Osten Graubündens, von Rätern besiedelt. Was die Zuordnung der Räter und ihrer Sprache angeht, ist man sich unsicher. Man geht aber davon aus, dass die rätische Sprache nicht indogermanisch war. Gesichertere Aussagen lassen sich wegen der nur bruchstückhaften Überlieferung des Rätischen kaum machen.

Diese Völker wurden während des Alpenfeldzuges von 15 v. Chr. von den Römern unterworfen, welche die Lateinische Sprache (hauptsächlich in Form des von der einfachen Bevölkerung und vom Militär gesprochenen Vulgärlateins) in die unterworfenen Gebiete brachten.

Wie schnell dann die Romanisierung erfolgte, ist unsicher. Auf alle Fälle muss der Prozess, wie auch in anderen abgelegenen Gebieten, Jahrhunderte gedauert haben. Am Ende des Altertums waren nach den jedoch nicht abschliessenden Erkenntnissen der Sprachforschung die ursprünglichen vorrömischen Sprachen scheinbar praktisch ausgestorben und es blieben nur wenige Lehnwörter im Romanischen erhalten. Diese beziehen sich vor allem auf für die Alpen typische Bezeichnungen aus den Gebieten von Flora und Fauna sowie Geländebezeichnungen (z. B. crap „Stein“).

Ab dem 8./9. Jahrhundert geriet die Region unter germanischsprachigen Einfluss. Im weiteren Verlauf wurde zunehmend Deutsch zur Amtssprache, Romanisch wurde zu jener Zeit verächtlich als „Bauernsprache“ angesehen. Die gelegentlich gehörte Bezeichnung Geröllhaldenlatein ist neueren Datums (Mitte des 20. Jahrhunderts) und weniger verächtlich, sondern eher freundschaftlich/neckisch gemeint.

Dass früher auf einem viel grösseren Gebiet Romanisch gesprochen wurde, erkennt man unter anderem an den vielen rätoromanischen Ortsnamen und Lehnwörtern in den heute deutschsprachigen Kantonen Glarus und St. Gallen. Sie zeigen, dass bis ins Hochmittelalter und teilweise noch länger die Sprachgrenze im Nordwesten im Gasterland lag und somit auch das ganze Walenseegebiet (Walen- ist mit welsch verwandt) romanisch war. Im Nordosten reichte das romanische Sprachgebiet bis zum so genannten Hirschensprung bei Rüthi im St. Galler Rheintal. Auch weite Gebiete in Vorarlberg und im Westtirol waren ehemals romanisch. Am spätesten (nach dem 11. Jahrhundert) eingedeutscht wurden Gegenden, deren Ortsnamen nicht auf der ersten Silbe betont werden, z. B. (Bad) Ragaz, Sargans, Vaduz (von lat. aquaeductus „Wasserleitung“), Montafon, Tschagguns und Galtür.
Bischöfliches Schloss in Chur

Die ersten bekannten romanischsprachigen Dokumente waren Übersetzungen lateinischer Predigten. Erst in der Zeit der Reformation entstanden eigentliche Schriftsprachen in den verschiedenen Idiomen.

Der Hauptgrund dafür, dass sich keine einheitliche Schriftsprache für alle Idiome entwickelte und dass das Romanische gegenüber der deutschen Sprache zunehmend an Boden verlor, war das Fehlen eines romanischen geistig-politischen Zentrums. Die Stadt Chur, welche als einzige für eine solche Funktion in Frage gekommen wäre, geriet als Bischofssitz schon früh unter deutschen Einfluss und war ab dem 15. Jahrhundert nur noch deutschsprachig. Erst in jüngster Zeit, d.h. ab Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich, infolge der Auswanderung von Romanen in die Kapitale, hier wieder zunehmend so etwas wie ein Zentrum für die Romanische Sprache und Kultur bilden können, von dem wichtige Impulse in die romanischen Stammlande ausgehen. Diese Entwicklung geht einher mit der zunehmenden Ausprägung eines romanischen Sprachbewussteins, das vor dem 19. Jahrhundert noch weitgehend fehlte.

Der Name Rätoromanisch hat sich erst ca. Mitte des 19. Jahrhunderts eingebürgert. Er geht auf den Namen der römischen Provinz Raetia zurück, die jedoch ein weit grösseres Gebiet umfasste, als den Lebensraum der unterworfenen Räter, welche, gemäss heutigem Forschungsstand, nur ganz im Osten des heutigen Graubündens, nämlich im Unterengadin und im Münstertal, lebten. Die Verbindung des Romanischen mit dem Rätischen dürfte also weitgehend ein Mythos sein. Jedoch ist anzunehmen, dass sich Sprache und Kultur der von den Römern unterworfenen Alpenbewohner, wer immer diese gewesen sein mochten, in irgendeiner, mit den Methoden der Sprachwissenschaft noch nicht erfassbaren, Form im Romanischen erhalten haben. So wenig wie 1500 Jahre Germanisierung das Romanische vollständig zum Verschwinden bringen konnten, so wenig waren gut 600 Jahre (im heutigen Graubünden keineswegs umfassender) römischer Unterwerfung in der Lage, Sprache und Kultur der vorrömischen, vermutlich keltischen, Bevölkerung, vollständig auszulöschen. Das Echo der vorrömischen Sprache und Kultur klingt noch heute im Romanischen weiter und bildet die Grundlage für das Selbstverständnis der Romanen.

Im Mittelalter nannten Deutschsprachige die romanische Sprache noch Churwelsch, („von den Einwohnern von Chur gesprochene welsche Sprache“). Martin Luther bezog im 16. Jahrhundert das Wort Kauderwelsch explizit auf das Churwelsche.

Rückzug in jüngerer Zeit

Nachdem die Sprachgrenzen zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert relativ stabil geblieben waren, wird das Romanische seit dem 19. Jahrhundert immer stärker vom Deutschen bedrängt. Der grösste Teil des sutselvischen Gebietes ist mittlerweile deutschsprachig; junge Romanisch-Sprecher findet man dort fast nur noch am Schamserberg. Auch im Oberengadin ist das Romanische schon seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in der Defensive, konnte sich jedoch wegen der meistenorts noch immer romanischen Primarschule bis heute bedeutend besser halten als in der Sutselva. Im Gebiet des Surmiran muss zwischen Sursès/Oberhalbstein und Albulatal unterschieden werden: Im Sursès ist das Romanische noch fest verankert und nicht unmittelbar gefährdet, ganz im Gegensatz zum Albulatal. Die Hochburgen des Rätoromanischen sind hingegen ganz im Westen, beziehungsweise ganz im Südosten Graubündens zu finden: Die Surselva (inklusive des zu über 90 % romanischen Seitentals Lumnezia/Lugnez) sowie das Unterengadin (inklusive Münstertal).



Rumantsch Grischun (Bündner Romanisch)

Rumantsch Grischun (auf Deutsch Bündner Romanisch, nicht zu verwechseln mit Bündnerromanisch) ist die auf Initiative der Lia Rumantscha vom Sprachwissenschaftler Heinrich Schmid in den 1970er und 1980er Jahren entwickelte gemeinsame Schriftsprache für die rätoromanischen Idiome. Seit 2001 ist Rumantsch Grischun offizielle Amtsschriftsprache im Kanton Graubünden und im Bund für den Verkehr mit der romanischsprachigen Bevölkerung; in den romanischen Gemeinden dient indes nach wie vor das jeweilige Idiom als Amtssprache. Die gemeinsame Schriftsprache bezweckt die Stärkung des Romanischen und damit den Erhalt der bedrohten Sprache.

Rumantsch Grischun wurde von der Bevölkerung nicht nur freundlich aufgenommen. Viele Bündner, nicht nur Romanen, befürchten, dass eine Kunstsprache zum Totengräber des Romanischen werden könnte. Andere sind optimistischer und verweisen auf das Beispiel der Deutschen Schriftsprache, welcher es auch nicht gelungen ist, die vielfältigen Deutschschweizer Dialekte wesentlich zu beeinflussen.

Im August 2003 beschloss das Bündner Kantonsparlament, dass Rumantsch Grischun als Schriftsprache in allen romanischen Schulen eingeführt wird und dass neue Lehrmittel für die romanischsprachigen Schulen nur noch in Rumantsch Grischun herausgegeben werden. Bis dahin wurden sämtliche Lehrmittel in allen fünf traditionellen Idiomen herausgegeben. Einerseits erlaubt diese Massnahme Einsparungen bei der Produktion der Schulbücher. Vor allem in stark germanisierten Gebieten mit einem deutlich abweichenden Lokalidiom schwächt sie allerdings die Stellung des Romanischen zusätzlich, da die Kinder de facto ein zweites, ihnen fremdes Romanisch lernen müssen. Von nicht-romanischer Seite werden die Dialektunterschiede oft ungemein unterschätzt, denn sie sind viel ausgeprägter als etwa zwischen den verschiedenen Deutschschweizer Mundarten. Für die Umsetzung des Parlamentsbeschlusses gilt eine Übergangsfrist von zwanzig Jahren. Gemäss der heutigen Rechtslage kann jedoch auch später keine Gemeinde zur Einführung von Rumantsch Grischun an der Schule gezwungen werden, doch wird sich die Beschaffung geeigneter Lehrmittel in den Idiomen immer schwieriger gestalten.

Die Bündner Kantonsregierung hat verschiedene Modelle für die Umsetzung geschaffen. Das Modell „Pioniergemeinde“ sieht z.B. die sofortige Einführung von Rumantsch Grischun in passiver Form vor. D.h., während einer zweijährigen Einführungsphase lernen die Schüler Rumantsch Grischun nur mittels Hören von Texten und Liedern. Erst nach Ablauf dieser obligatorischen Phase wird Rumantsch Grischun auch aktiv gelernt.

Als erste haben sich die Schulgemeinden des Val Müstair (Münstertal) für das Pioniermodell entschieden und seit einem Jahr ist in diesen Gemeinden die Passivphase im Gange. Ab dem Schuljahr 2007/2008 werden die Schüler des Münstertales Rumantsch Grischun aktiv als Schriftsprache lernen. Dass die Gemeinden des Münstertales als erste Rumantsch Grischun als Schriftsprache einführen ist kein Zufall, wird doch im Münstertal Romanisch (in der Form des dortigen Dialektes Jauer) von 95 % der Bevölkerung aktiv gesprochen und gepflegt. Rumantsch Grischun wird von der dortigen Bevölkerung deshalb mehrheitlich nicht als Bedrohung ihrer Sprache empfunden, zumal die bis anhin verwendete Schriftsprache Vallader bereits grosse Unterschiede zur eigenen Mundart aufwies. Den Verlust der alten Schriftsprache sehen die Befürworter des Rumantsch Grischun durch den Vorteil einer einheitlichen Schriftsprache im ganzen Kanton aufgewogen.

Dem Vorbild des Münstertales sind inzwischen auch weitere Gemeinden des Kantons gefolgt, in denen dem Rumantsch Grischun relativ nahe stehende Mundarten gesprochen werden. So werden demnächst neun Gemeinden des Oberhalbsteins und die Gemeinde Trin ebenfalls die „Pionierphase“ beginnen.

Verankerung des Romanischen in den Verfassungen des Bundes, des Kantons Graubünden und der bündnerischen Gemeinden

Auf Bundesebene ist Romanisch Landessprache sowie, im Verkehr mit der romanischsprachigen Bevölkerung, Amtssprache. Hierbei sind alle fünf Idiome gleichberechtigt. Romanen haben damit die Möglichkeit und das Recht, mit den Bundesbehörden in Sprache und Schrift auf Romanisch zu verkehren. Publikationen des Bundes werden jedoch nicht in den einzelnen Idiomen, sondern ausschliesslich in Rumantsch Grischun verfasst.

Auf Kantonsebene (Graubünden): Romanisch (alle fünf Idiome gleichberechtigt) ist Landes- und Amtssprache. Seit 1992 bedient sich der Kanton Graubünden im Schriftverkehr mit der Romanischen Bevölkerung sowie in romanischen Verlautbarungen (Gesetzessammlung, Kantonsamtsblatt, etc.) ausschliesslich des Rumantsch Grischun.

Auf Gemeindeebene (Gemeinden in Graubünden): Romanisch ist Landessprache. Jede Gemeinde regelt in ihrer Verfassung, ob Romanisch auch Amts- und/oder Schulsprache ist sowie ggf. welches Idiom. Die Gemeinden haben auch die Möglichkeit, anstelle eines Idioms Rumantsch Grischun als Amtssprache zu bezeichnen.
 


Sprachförderung

Die Lia Rumantscha ist als Dachorganisation verschiedener regionaler Vereine die zuständige Stelle für romanische Sprach- und Kulturförderung, wofür sie grösstenteils von Bund und Kanton finanziert wird.

Die Lia Rumantscha und die ihr angehörenden regionalen Vereine wurden in den Jahren 2005-2007 neu strukturiert; die Kompetenzen wurden nach Territorium aufgeteilt, Konfessionen sind nicht mehr massgebend.

   

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